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Europameisterschaften
EM Vielseitigkeit Fontainbleau 2009 1364
Teilwertung Gelaende und Springen 1834
EM Vielseitigkeit 2009: Bronze für Michael Jung
Bei den Vielseitigkeits-Europameisterschaften im französischen Fontainebleau hat Michael Jung (GER) mit FBW La Biosthetique Sam die Bronzemedaille geholt.
Am letzten Tag ruhten alle Hoffnungen auf Michael Jung. Er startete nach Dressur und Gelände mit nur 45,0 Punkten aus zweiter Position ins Springen. Wie sich herausstellte, hätte eine Nullrunde zum Sieg gereicht, denn die führende Kristina Cook leistete sich mit Miners Frolic nicht nur einen Abwurf, sondern auch vier Zeitstrafpunkte. Das bedeutete ein Endergebnis von 46,7 Minuspunkten für sie. Doch auch Jung hatte auf dem langen Parcours einen Fehler hinnehmen müssen (Endstand 49,0). Damit landete er nicht nur hinter Cook, sondern auch hinter der britischen Einzelreiterin Piggy French mit Some Day Soon auf Platz drei. Die als Reservistin ins britische Team nachgerückte Reiterin hatte eine von nur zwei fehlerfreien Runden im Parcours gedreht und holte mit 47,3 Minuspunkten die Silbermedaille. "'Pigs can fly' und Wunder können geschehen", freute sie sich bei der Pressekonferenz über ihren Überraschungserfolg.
"Ich bin sehr glücklich über meine Medaille, vor allem nach dem gestrigen Geländeritt", freute sich auch Michael Jung über sein erfolgreiches Debüt bei einem "Senioren"-Championat. "Ich habe eine unglaubliche Saison hinter mir, beginnend mit dem Sieg in Wiesbaden", so Jung. Es folgten Siege im CCI**** Luhmühlen und Weltcupfinale in Strzegom. Jetzt hat sein Erfolgspferd FBW La Biosthetique Sam erstmal Pause. "Er wird jetzt abtrainiert und kommt auf die Koppel", verriet der frisch gebackene Bronzemedaillengewinner. Für den Vollprofi aus Horb geht es dagegen am nächsten Wochenende schon wieder weiter, mit einer Teilnahme an einer Stutenschau und einem Schauprogramm bei der Marbacher Hengstparade.
Gleich nach seinem Ritt klopften Jungs Teamkollegen und Mitstreiter ihrem "Champion" nacheinander auf die Schulter. Alle fünf waren im Gelände ausgeschieden, hatten aber ausgeharrt, um Jung beim Springen die Daumen zu drücken. "Wir sind als Team angereist und haben als Team verloren. Aber wir haben hier noch ein Teammitglied, das um eine Medaille kämpft und da ist es selbstverständlich, dass wir bis zum Schluss bleiben", hatte es Andreas Dibowski (Egestorf) am Abend zuvor auf den Punkt gebracht.
Für ihn, wie auch für seine Team- und Gold-Kollegen von den Olympischen Spielen in Hongkong, Ingrid Klimke (Münster) und Frank Ostholt (Warendorf) waren die Europameisterschaften ganz anders verlaufen als erwartet. "An der Vorbereitung lag es nicht. Wir sind super vorbereitet hierher gekommen und auch die Aufstellung der deutschen Mannschaft würden wir wieder so vornehmen", sagte Hans Melzer. Zunächst war der Plan der deutschen Mannschaftsleitung auch noch aufgegangen. Mit einer souveränen Nullrunde hatten Michael Jung und sein neunjähriger Württemberger Wallach FBW La Biosthetique Sam die gewünschte "Fährte" gelegt. "Ich sollte in der erlaubten Zeit bleiben, möglichst sogar zehn Sekunden darunter", schilderte Jung seinen Auftrag. Damit sollte er zeigen, dass Hindernisse und Zeit "zu schaffen sind" und gleichzeitig etwas Druck auf die Konkurrenz ausüben. Der 27-Jährige meisterte seine Aufgabe spielend und kam ohne Hindernisfehler 15 Sekunden vor Ablauf der Uhr ins Ziel. "Ich bin überall so geritten, wie wir uns das vorgenommen haben", sagte er nach dem Ritt zufrieden.
Auch das zweite deutsche Paar begann zunächst vielversprechend. Frank Ostholt kam mit Air Jordan bis Hindernis 22, einer viel diskutierten Kombination aus einem Hochweitsprung und einem nachfolgenden Steilsprung, der auf gebogener Linie mit drei Galoppsprüngen anzureiten war. Der Mannschafts-Olympiasieger verpasste es, "die Wendung richtig durchzureiten", so dass es auf den Aussprung zu weit wurde und Air Jordan am Sprung vorbeilief. Zwei Sprünge weiter, kurz vor der Zielrunde im Stadion, passierte ein ähnliches Malheur. Air Jordan verweigerte und das Paar schied nach dem halbherzigen Versuch, die Alternative zu reiten, ganz aus. Seine Teamkollegin Ingrid Klimke (Münster) hob schon nach zwei Verweigerungen die Hand und verzichtete auf ein Weiterreiten. Den ersten Stopp hatte sie an Hindernis elf, einer Doppelhecke, deren Einsprung eine tiefere Landestelle hatte. FRH Butts Abraxxas habe "das zu spät bemerkt und stand dann direkt vor dem zweiten Sprung", sagte die Reiterin. Dabei musste sich das Pferd so erschrocken haben, dass er am ähnlichgebauten Hindernis 16, einem Tiefsprung mit nachfolgender Adlerschwinge erneut die Mitarbeit verweigerte.
Damit war die deutsche Mannschaft bereits "aus dem Rennen". Schlussreiter Andreas Dibowski blieb die Chance, eine gute Platzierung in der Einzelwertung zu ergattern. Doch auch für ihn ging die EM früher als erwartet zu Ende. An Hindernis 14, einer Kombination aus zwei schmalen Elementen vor und hinter einem kleinen Tümpel, kam er am mit seinem Pferd zu Fall und schied damit ebenfalls aus. Mein Pferd neigt eigentlich nicht dazu, ein Bein 'stehen zu lassen'. Der Sturz kam aus heiterem Himmel", sagte Dibowski. "Bis dahin hatten wir keinen einzigen schlechten Sprung." Als mögliche Erklärung sah "Dibo" die Licht- und Schattenverhältnisse, die die Höhe der schmalen und farblich wenig kontrastreichen Hinderniselemente für die Pferde schwer erkennbar machten.
Vor ihm hatten bereits die beiden Einzelreiter, Kai-Steffen Meier (Waldbröl) mit Karascada M und Dirk Schrade (Sprockhövel) mit Gagdet de la Cere, kurz nacheinander Probleme an diesem Hindernis gehabt. So konnte Meier einen Rumpler seiner Rappstute über den Einsprung gerade noch aussitzen. Er reagierte rasch und lenkte die Stute auf den alternativen Wasseraussprung zu. "Das war im Grunde ein leichtes Hindernis. Ich habe das falsch eingeschätzt. Ich dachte, da hüpft sie so raus. Offensichtlich hat sie Kante nicht richtig gesehen", sagte Meier, mit 26 Jahren der Jüngste im deutschen Team. Der reguläre Aussprung wurde Dirk Schrade zum Verhängnis. "Es wurde ein bisschen weit und ich wollte nicht auf riesengroß losspringen und habe Gadget nochmal aufgenommen." Der Braune kam zu dicht, sprang nicht hoch genug ab, Dirk Schrade musste unfreiwillig aus dem Sattel und war damit ebenfalls ausgeschieden.
"Wir hatten hier offensichtlich die Pest am Hals", sagte Andreas Dibowski. "Das einzige von dem, was vorher in den Pressemitteilungen geschrieben wurde, was stimmt, ist dass wir eine sehr einheitliche Mannschaft sind - wir sind einheitlich ausgeschieden." Bundestrainer Chris Bartle habe es auf den Punkt gebracht, so "Dibo" weiter: "'Es war ein grottenschlechter Tag für uns. Wir sind aber jetzt sehr lange auf einem sehr hohen Level gefahren. Und nach Höhen kommen auch Tiefen' - allerdings hätte es auch nicht so tief sein müssen."
In Fontainbelau kamen aber auch andere nicht ungeschoren davon. Von ursprünglich acht Teams lagen fünf bis nach der Geländeprüfung in Wertung. Am Sonntagmorgen "platzte" auch die bis dahin zweitplatzierte Mannschaft des Gastgebers Frankreich. Deren bis dahin bester Mann, Jean Teulere, stellte seinen Espoir de la Mare nicht mehr zur Verfassungsprüfung vor. In der Einzelwertung blieben am Ende blieben 40 von 64 Paaren übrig. Nicht darunter waren unter anderem auch Favoriten wie der Badminton-Sieger Oliver Townend (Großbritannien) mit Flint Curtis oder Titelverteidiger Nicolas Touzaint (Frankreich) mit Tatchou.
"Bei unseren Vorleistungen brauchen wir uns jetzt nicht wieder zu verstecken. Es waren eben nicht unsere Europameisterschaften", zog Bundestrainer Hans Melzer ein abschließendes Fazit der EM und richtete den Blick nach vorne. "Nächstes Jahr bei den Weltmeisterschaften in Kentucky in den USA werden wir wieder angreifen."
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