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Preis der Besten Voltigieren Darmstadt: Seniorteam Neuss löst EM-Ticket

Das Seniorteam Neuss-Grimmlinghausen vertritt Deutschland auf der Europameisterschaft der Voltigierer in Le Mans vom 16. bis 21. August. Die Mannschaft von Trainerin und Longenführerin Jessica Schmitz setzte sich beim Preis der Besten in Darmstadt durch.

  
Die Rheinländer gewannen alle drei Wertungsumläufe und ließen der Konkurrenz aus Ingelsberg (Bayern) und Mainz-Laubenheim (Rheinland-Pfalz) keine Chance. Welche Senior-Einzelvoltigierer nach Frankreich fahren werden, steht indes noch nicht fest. Der Fachbeirat des DOKR setzte fünf Herren und sechs Damen auf die Longlist, darunter die Gewinner aus Darmstadt, Pia Engelberty (Köln) und Daniel Kaiser (Delitzsch).

8,498 Punkte und über fünf Zehntel Vorsprung – die Vorstellung der Neusser Voltigiergruppe war ein Ausrufezeichen auf dem Weg nach Frankreich. Am Ende feierten die Rheinländer auf ihrem 13-jährigen Pferd Arkansas einen souveränen Erfolg in allen drei Wertungsprüfungen, mit dem sie das EM-Ticket vorzeitig lösten. Der Disziplinbeirat Voltigieren des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) strebte bereits im Vorfeld der veranstaltung an, sich frühzeitig auf eine Team festzulegen, damit sich dieses gezielt auf die EM vorbereiten kann. Die frühzeitige Nominierung war daran gebunden, dass sich ein Team deutlich von der Konkurrenz absetzen würde. Und so kam es dann auch. Die Mannschaft von Jessica Schmitz hatte sich im Süden Hessens deutlich hervorgehoben. Für Bundestrainerin Ulla Ramge (Warendorf) der entscheidende Grund, sich bereits jetzt festzulegen. „Überlegenheit in der Pflicht, Weltklasse-Kür, mentale Stärke und ein tolles Pferd“, analysierte die Bundestrainerin, die sich während der Prüfungen in Darmstadt an die Weltreiterspiele in Aachen im Jahr 2006 erinnert fühlte. Dort war zuletzt eine Neusser Mannschaft bei einem Championat für Deutschland in den Zirkel eingelaufen. Im Übrigen mit fünf jungen Damen, die auch in diesem Jahr in Frankreich antreten werden. „Es ist einfach toll, diesen Schritt nach fünf Jahren wieder geschafft zu haben“, kommentierte eine überglückliche Jessica Schmitz, die in ihrem Team unter anderem auf die erste Gesamt-Weltcup-Siegerin Simone Wiegele (Grevenbroich) und Vize-Weltmeisterin Antje Hill (Neuss) bauen kann. Beide haben sich dazu entschieden, in ihrer überaus erfolgreichen Karriere als Einzelvoltigierinnen eine Pause einzulegen und sich voll und ganz auf die Gruppe zu konzentrieren. Offensichtlich mit Erfolg. Bereits nach der Pflicht (Wertnote 7,575) hatten sich die Damen aus Neuss einen deutlichen Vorsprung vor dem amtierenden Vize-Weltmeister Ingelsberg (6,961) erturnt. In den folgenden beiden Kürumläufen bestätigte das Schmitz-Team zu Opernklängen seine derzeitige Ausnahmestellung im bundesweiten Gruppenvoltigieren. Mit 7,959 Zählern sicherte sich Ingelsberg (Longenführer Alexander Hartl) mit Arador den zweiten Rang, gefolgt von Mainz-Laubenheim, das mit 7,807 Punkten auf Elevation (Hanne Strübel) nur knapp hinter den Bayern landete. Für die Neusserinnen geht es nun in die intensive Vorbereitung auf die EM. In Aachen hatten sie einst in einem spannenden Finale den Sieg für Deutschland geholt. Auch 2011 lautet die klare Zielvorgabe von Ramge: Mission Gold. Das nötige Potenzial sei „zu 100 Prozent vorhanden“, die Mannschaft „für den jetzigen Zeitpunkt genau auf dem richtigen Leistungsstand“.

Bei den Senior-Damen setzte sich Pia Engelberty auf Weltoni RS von der Wintermühle (Longenführerin Alexandra Knauf) mit einer Wertnote von 7,690 Punkten durch. Die Kölnerin hatte zwar keinen der vier Durchgänge gewonnen, in der Endabrechnung jedoch die konstanteste Leistung gezeigt. Engelberty, die mit dem Sieg den ersten großen Schritt in Richtung ihrer ersten Championats-Teilnahme bei den Senioren gemacht hat: „Unfassbar, ich kann es noch gar nicht glauben.“ Auf Rang zwei landete Ines Jückstock. Die Hamburgerin, mit 38 Jahren die mit Abstand Erfahrenste im Teilnehmerfeld, erturnte sich 7,632 Zähler auf Lamenticus (Ruth Jückstock) und sicherte sich zugleich nach drei Jahren erstmals wieder einen Platz auf der Longlist. Ebenso wie Kristina Boe. Die Hamburgerin und ihr Pferd Le Beau (Winnie Schlüter) glänzten mit einer Steigerung im zweiten Durchgang und schoben sich damit in den Favoritenkreis für eine Nominierung. Le Beau konnte sich im ersten Umlauf nicht mit der Atmosphäre in der Darmstädter Reithalle anfreunden. Boe musste eine abgeschwächte Version ihrer Kür zeigen und erhielt vom Richtergremium entsprechend niedrigere Punkte. Von Rang sieben aus dominierte Boe dann mit einem wesentlich entspannteren Le Beau den zweiten Umlauf am Sonntag und schob sich auf Rang drei (7,586) vor. Für einen Überraschungserfolg sorgte Theresa-Sophie Bresch (Rottenburg). In ihrer ersten Saison bei den Senioren landete die Baden-Württembergerin auf Cyrano, longiert von Doris Marquart, auf Platz vier (7,546). Die Münchnerin Susanne Schmidt, nach Durchgang eins auf Cappucino noch führend, rutschte mit einem Sturz im Technikprogramm auf Platz fünf (7,515) ab. „Schade. Susanne hätte recht deutlich gewinnen können. Aber ich bin froh, dass ihr der Fehler hier passiert ist und nicht auf einem der wichtigen kommenden Wettkämpfe“, sagte ihr Trainer und Longenführer Alexandra Hartl. Ebenfalls große Chancen auf den Sieg konnte sich im Vorfeld Sarah Kay (Sörup) ausrechnen. Ihr Pferd What’s That kam allerdings ebenfalls nicht in der Darmstädter Halle zu Recht. Kay beendete den Wettkampf vorzeitig, erhielt aufgrund ihrer bislang sehr guten Leistungen in dieser Saison aber dennoch einen Platz auf der Longlist.

Der Sieger bei den Herren hieß Daniel Kaiser. Mit einer Endnote von 7,689 Punkten setzte sich der Delitzscher in Abwesenheit des Vize-Weltmeisters Kai Vorberg (Bandscheibenvorfall) auf Airbus (Longenführerin Irina Lenkeit) an die Spitze des Feldes. Allerdings erst im abschließenden Umlauf, den er mit seiner Kür zum Thema Matrix gewann. Mit Rang vier war der Sachse in den Wettkampf gestartet und hatte sich dann Platz für Platz nach vorn gearbeitet. Viktor Brüsewitz (Garbsen), der die Ingelsberger Mannschaft im vergangenen Jahr bei den Weltreiterspielen verstärkt hatte, turnte erneut auf einem Pferd aus dem Landesverband Bayern. Cappucino (Alexander Hartl) verhalf dem Sportsoldaten zu 7,631 Punkten und damit Rang zwei. Auf Platz drei (7,362) landete „Neu-Senior“ Jannik Heiland (Seevetal) mit Gustafsson und Lars Hansen an der Longe. 7,269 Zähler bedeuteten Rang vier für Thorben Hoppe (Kriftel). Der Junioren-Europameister von 2009 war mit dem Sieg in der Pflicht vielversprechend in den Wettkampf gestartet, konnte an diese Leistung in den weiteren drei Teilüprüfungen aber nicht ganz anknüpfen. Begleitet wurde Hoppe im Zirkel von seinem langjährigen Pferd Lukas, allerdings nicht von Kristina Bolz, die derzeit studienbedingt im Ausland weilt. Dafür sprang Linda Stenzel ein. Die Physiotherapeutin hatte die Deutsche Equipe bei den Weltreiterspielen in Kentucky betreut und wechselte erst vor wenigen Monaten in ihre neue Rolle an der Longe. Der weitere Sichtungsweg führt nun für jeweils vier Damen und Herren über das CVI in Krumke zum CHIO in Aachen im Juli. Dort wird endgültig nominiert.

Zwei Paare präsentierten sich in Darmstadt im Wettbewerb des Doppel-Voltigierens. Am Ende hatten die Geschwister Anna und Florian Kraft aus Essen die Nase vorn. Die Rheinländer dominierten beide Umläufe auf ihrem Pferd Rocky (Longenführerin Anne Sümnik) und sicherten sich mit einer Endnote von 7,443 Punkten die Startberechtigung beim CHIO Aachen, bei dem dann die beiden EM-Teilnehmer-Duos ermittelt werden. „Dort werden sich auch weitere Paare präsentieren“, kündigte Bundestrainerin Ramge an. In der Vergangenheit hatten sich für das Championat des Öfteren Bundeskader-Voltigierer zusammengetan. Das schließt Ramge auch in diesem Jahr nicht aus.

Im Anschluss an den Preis der Besten nominierte der DOKR-Beirat Voltigieren die Kandidaten für die EM-Longlist. Bereits fest für die EM nominiert wurde das Seniorteam aus Neuss. Reserve ist der VV Ingelsberg.

Longlist Damen: Kristina Boe, Regina Burgmayr (Kirchseeon/in Darmstadt Dispenz), Pia Engelberty, Ines Jückstock, Sarah Kay, Susanne Schmidt.

Longlist Herren: Viktor Brüsewitz, Jannik Heiland, Thorben Hoppe, Torben Jacobs (Ganderkesee), Daniel Kaiser.

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